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Grundlagen

Kriterium 'Schöpferisch' der Forschungszulage erklärt

16. Feb. 2026 · Erich Lehmann · Aktualisiert am 8. Okt. 2026
Artikel mit KI erklären

Warum dieser Artikel wichtig ist

Das Kriterium "schöpferisch" ist einer der häufigsten Stolpersteine in der Argumentation gegenüber der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ).

Viele Vorhaben sind klar innovativ für das Unternehmen, wirken aber aus Sicht der Prüflogik wie Implementierung bekannter Lösungen. Wer "schöpferisch" sauber beschreibt, erhöht die Chance auf eine positive Bescheinigung deutlich und damit auf die Forschungszulage als planbare Finanzierung für Innovation. Wie das Verfahren insgesamt abläuft, erklärt der Guide zur Antragstellung.


Was heißt "schöpferisch" konkret?

"Schöpferisch" (im FuE-/Innovationssinn) heißt: Eure Arbeiten beruhen auf originären, nicht offensichtlichen Konzepten und Hypothesen – also auf eigener, kreativer Problemlösung mit technischem Erkenntnisgewinn, nicht auf Routine.

Typische Merkmale schöpferischer Arbeiten:

  • Neue Ideen/Konzepte/Methoden/Strategien entstehen (nicht nur Auswahl bekannter Best Practices).
  • Es gibt technische Unwägbarkeiten: Ob und wie es funktioniert, ist nicht sicher.
  • Es ist systematisch/planmäßig: Ziele, Arbeitspakete, Tests/Validierung sind erkennbar.
  • Ergebnis ist dokumentierbar und reproduzierbar (z. B. Messungen, Testprotokolle, Architektur-/Modell-Doku, Benchmarks).

Wichtig: "Schöpferisch" bedeutet nicht "künstlerisch kreativ", sondern technisch/wissenschaftlich originär.


Einordnung: Frascati-Handbuch und BSFZ-Prüfkriterien

Woher das Kriterium kommt, erklärt das Frascati-Handbuch der OECD. Es ist die international anerkannte Definitionsgrundlage für Forschung und Entwicklung und nennt fünf Merkmale, die eine Tätigkeit gemeinsam erfüllen muss, um als FuE zu gelten:

  1. neuartig: zielt auf neue Erkenntnisse
  2. schöpferisch: beruht auf originellen, nicht offensichtlichen Konzepten und Hypothesen
  3. ungewiss: das Ergebnis lässt sich vorab nicht sicher bestimmen
  4. planmäßig bzw. systematisch: folgt einem Plan mit Budget und dokumentierten Ergebnissen
  5. übertragbar und/oder reproduzierbar: führt zu Ergebnissen, die sich weitergeben oder nachvollziehen lassen

(Quelle: OECD, Frascati Manual 2015, Kap. 2, sinngemäß)

Die BSFZ prüft in ihrem öffentlichen Prüfleitfaden dagegen nur drei Kriterien: Neuartigkeit, Unwägbarkeit bzw. Risiko und Planmäßigkeit. Ein eigenes Prüfkriterium "schöpferisch" gibt es dort nicht. Das Merkmal geht in Neuartigkeit und Unwägbarkeit auf: Wer neues Wissen über den Stand der Technik hinaus anstrebt und dabei technisch offene Fragen klären muss, arbeitet in aller Regel schöpferisch. Für euren Antrag heißt das: "Schöpferisch" belegt ihr nicht in einem eigenen Absatz, sondern indem ihr Neuartigkeit und technisches Risiko konkret begründest. Die drei BSFZ-Kriterien im Detail erklärt der Guide zu den Voraussetzungen.


Abgrenzung: Schöpferisch vs. Routine (die häufigsten Missverständnisse)

Nicht automatisch schöpferisch

  • Standard-Implementierung mit bekannten Tools/Patterns
  • Parametrisierung/Customizing von Standardsoftware
  • Routine-Debugging (nach Abschluss der Entwicklungsphase)
  • Marktforschung, Marketing, Vertrieb
  • reine Projektsteuerung (Statusmeetings, Budget, Roadmap, Koordination)

Auch wenn diese Tätigkeiten "im Projekt" anfallen, sind sie in der Regel nicht die Innovationsarbeit selbst.

Eher schöpferisch (wenn plausibel begründet)

  • Entwicklung eines neuen Algorithmus, einer neuen Heuristik, neuer Datenpipeline-Logik
  • Prototypenbau und -tests, solange das Ziel noch Verbesserungen/Erkenntnisse sind
  • Aufbau einer Pilotlinie/Versuchsanlage, solange der Hauptzweck Innovation/Validierung ist
  • Lösung eines Hard-/Softwarekonflikts durch eine neuartige System-Neukonfiguration
  • Entwicklung neuer Verschlüsselungs-/Sicherheitsverfahren (nicht nur Anwendung bekannter Standards)

Praxisbeispiele: So wirkt "schöpferisch" in echten Innovationsprojekten

Beispiel 1: KI-/Computer-Vision für Produktionslinien (Industrial AI)

Schöpferisch, wenn ihr z. B.:

  • eine neue Erkennungslogik entwickelt, die über statische Qualitätskontrollen hinausgeht,
  • mit unsicheren Randbedingungen (Licht, Perspektive, Materialvarianz) experimentiert,
  • neue Modell-/Feature-Strategien testet und mit Benchmarks belegt.

Nicht schöpferisch, wenn ihr nur:

  • ein Standardmodell "out of the box" integriert und ein UI drumherum baut.

Beispiel 2: Software – neue Suchmaschine / neue Algorithmen

Welche Software- und KI-Vorhaben typischerweise förderfähig sind, zeigt die Seite zu Software- und KI-Unternehmen.

Schöpferisch, wenn ihr:

  • eine Suchmaschine auf Basis originärer Technologien konzipiert,
  • neue/effizientere Algorithmen mit messbar neuen Eigenschaften entwickelt,
  • technische Unsicherheit adressiert (z. B. Skalierung, Latenz, Ergebnisqualität).

Nicht schöpferisch, wenn ihr:

  • bestehende Suchsoftware lediglich konfiguriert oder ein Plugin schreibt.

Beispiel 3: Daten & Analytics

Schöpferisch, wenn die Datensammlung/-analyse integraler Bestandteil der Innovation ist, z. B.:

  • Entwicklung neuer Verfahren zur Datenerhebung oder Datenfusion,
  • neue Auswertungsmethoden, die Erkenntnisse für die technische Lösung liefern.

Nicht schöpferisch, wenn es nur:

  • klassische Marktanalyse mit bekannten Verfahren ist (z. B. Verkaufszahlenreporting).

Beispiel 4: Produktdesign / Design allgemein

Design ist meist kein FuE. Ausnahme: Design ist unverzichtbarer Bestandteil der Innovationsarbeit (z. B. wenn Design-Entscheidungen technisch bedingte Hypothesen/Tests auslösen).


"Schöpferisch" richtig formulieren (BSFZ-tauglich)

Wenn ihr das Kriterium beschreiben wollt, helfen diese Bausteine:

  • Ausgangsproblem (technisch): Was war technisch unklar oder nicht gelöst?
  • Nicht-Offensichtlichkeit: Warum war der Weg nicht einfach "Standardlösung X"?
  • Hypothesen & Varianten: Welche Ansätze habt ihr geprüft, verworfen, verbessert?
  • Experimente/Validierung: Welche Tests/Prototypen/Benchmarks habt ihr gemacht?
  • Ergebnisartefakte: Welche reproduzierbaren Outputs gibt es (Code, Messreihen, Testreports, Spezifikationen)?

Merksatz: Schöpferisch = eigene, nicht triviale technische Problemlösung + systematische Validierung.


Warum die Forschungszulage dafür eine gute Option ist

Die Forschungszulage ist in vielen Innovationsvorhaben attraktiv, weil sie technologieoffen ist und nicht nur "Laborforschung" abdeckt, sondern häufig produkt- und software-nahe Innovation – entscheidend ist der Nachweis von Neuartigkeit, Risiko/Unwägbarkeit und Planmäßigkeit.

Wenn ihr das sauber darstellt, kann die Forschungszulage ein starker, wiederholbarer Finanzierungsbaustein für eure Innovationsroadmap sein. Die gesetzliche Grundlage erklärt der Guide FZulG erklärt, wie sich die Förderhöhe ergibt, der Guide zur Berechnung.

Offizielle Stellen (für Einordnung & Prozess):


Die weiteren FuE-Kriterien

Häufige Fragen

Wenn ihr das Vorhaben ehrlich als "Standard-Implementierung" beschreiben könnt, ist es meist nicht schöpferisch. Wenn ihr dagegen Hypothesen, Varianten, Tests und technische Unwägbarkeiten braucht, seid ihr nah dran.

Ja, wenn die Kombination nicht offensichtlich ist und zu einer neuen oder wesentlich verbesserten Lösung führt – und ihr dabei technische Unsicherheit systematisch reduziert.

Meist nein. "Teil des Projekts" reicht nicht: Die Tätigkeit muss selbst eine begünstigte Innovations-/FuE-Tätigkeit sein. Organisatorisches und Vermarktung sind typischerweise unterstützend, aber nicht die technische Innovationsarbeit.

In der Regel nein. Ausnahme: Debugging ist Teil der laufenden Innovationsphase, weil ihr dabei eine technische Unwägbarkeit im Entwicklungsprozess systematisch klärt.

Zeitmaker erstellt euren BSFZ-Antrag komplett: von der Einordnung eures Vorhabens als F&E über die Abgrenzung schöpferischer Arbeit von Routine bis zur technisch konkreten Projektbeschreibung, die die Prüfer der Bescheinigungsstelle nachvollziehen können. Rückfragen der BSFZ beantwortet Zeitmaker für euch. Wie das abläuft, steht auf der Seite zur Beratung.

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